Gedanken zur Dreieinigkeit

von Pastor Hans-Peter Mumssen

Immer wieder taucht die Frage auf, wie wir die Natur Gottes verstehen. In der Geschichte der Christenheit hat sich zwischen dem dritten und siebten Jahrhundert allmählich die Vorstellung der Dreieinigkeit Gottes etabliert. Der Begriff der Dreieinigkeit taucht allerdings in der Bibel selbst nicht auf. Es gibt lediglich Hinweise darauf. Diese wurden aber in den biblischen Schriften nie diskutiert oder erklärt. In folgenden Bibelstellen finden wir solche Hinweise:

Anmerkung: Die meisten Übersetzungen erwähnen den Heiligen Geist nicht explizit, sondern lauten dem Sinne nach: „… gesegnet mit allem geistlichen Segen …“

Vater, Sohn und Heiliger Geist werden in diesen Bibelstellen separat aufgeführt. Doch verstehen wir damit die Natur Gottes? Ist es überhaupt notwendig, die Natur Gottes verstehen zu wollen?

Betrachten wir einmal Bibelstellen zum Thema Einheit:

Hier geht es um die Einheit von Jesus Christus und Gott, dem Vater. Der Heilige Geist wird nicht erwähnt.

Was meinte Jesus mit: „ich im Vater“ und „der Vater in mir“? Meinte er damit, dass der Geist Gottes sowohl in Gott selbst als auch in ihm wohnte?

Jetzt wird es spannend. Jesus Christus benutzt dieselbe Formulierung wie bei der Einheit zwischen sich und dem Vater, aber in Bezug auf seine Jünger. Hier wird tatsächlich eine Drei-Einheit erwähnt, nämlich zwischen Gott, dem Vater, Jesus Christus und seinen Jüngern. Und was bedeutet es eigentlich, dass Christus in uns ist? Ist damit der Heilige Geist gemeint oder etwas anderes? Diese Frage taucht später noch einmal auf.

Hier wird die Einheit zwischen Jesus und dem Vater als Vorbild für die Einheit der Nachfolger Jesu genommen. Auch darüber kann man sich einmal Gedanken machen.

Auch hier taucht, wie schon vorher, eine andere Form der Drei-Einheit auf. Bei all den aufgeführten Bibelstellen wird der Heilige Geist nicht explizit erwähnt.

Was teilte Jesus seinen Jüngern über den Heiligen Geist mit? Auch hier wollen wir einige (nicht alle) Bibelstellen betrachten:

Diese Verse lassen etwas sehr Interessantes erkennen. Der Vater sendet einen anderen Beistand, doch diesen anderen Beistand beschreibt Jesus so: „ich komme zu euch.“ Dann werden wir, die wir Jesus Christus nachfolgen, erkennen, dass er im Vater ist und wir in ihm und er in uns. Was aber bedeutet „Christus in uns“? Unterscheidet es sich vom Heiligen Geist in uns oder ist damit dasselbe gemeint?

Noch umfassender ist folgender Vers:

Nun sind es der Vater und der Sohn, die in uns wohnen. Der Heilige Geist hier nicht erwähnt, obwohl es in dem Kapitel eigentlich um das Kommen des Heiligen Geistes ging.

Wie schon erwähnt, redete Jesus dies alles im Zusammenhang mit dem Kommen des Heiligen Geistes. Liegt es da nicht auf der Hand zu sagen: Der Vater und der Sohn wohnen im Heiligen Geist in uns? Ich denke, man kann nicht überall ein bestimmtes geistliches Geschehen einer der drei Personen der Dreieinigkeit zuordnen. Gottes wahre Natur ist und bleibt ein Geheimnis, und wir erkennen nur Stückwerke davon. Deshalb gehe ich vorsichtig mit dem Begriff der Dreieinigkeit um. Weil dieser Begriff nicht biblisch ist, ist es meiner Auffassung nach nicht unsere Aufgabe, ihn zu erklären. Eher sollten wir uns mit der Offenbarung Gottes in der Bibel beschäftigen, die eben nicht immer sofort erklärbar ist.

Nun noch etwas zum Heiligen Geist selbst. Es gibt einen Vers in der Offenbarung, der lautet wie folgt:

Hier ist nicht von einem Geist, sondern von sieben Geistern Gottes die Rede. Auch dadurch wird meiner Ansicht nach deutlich: Gottes wahre Natur ist und bleibt ein Geheimnis.

Fazit:

Aus all dem schließe ich, dass es nicht hilfreich ist, Gott, sein Wesen und seine Natur in ein logisch verständliches Konzept zu packen. Was wir haben, ist sein Wort. Wenn wir dem vertrauen - auch wenn wir vieles nicht verstehen - genügt das. Wenn wir mit Jesus verbunden sind, werden wir eine Ewigkeit Zeit haben, mehr und mehr von der Größe, Liebe und Heiligkeit Gottes zu erkennen.